Sa., 02. Juli

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Circus Krone

THE NOTWIST

präsentiert vom ZÜNDFUNK

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THE NOTWIST

02. Juli, 19:00

Circus Krone, Marsstraße 43, 80335 München, Deutschland

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Auf  Vertigo Days, dem ersten Album von The Notwist seit sechs Jahren,  präsentiert sich eine der wohl wegweisendsten Indie-Bands des Landes  ganz im Hier im Jetzt. Neugier und Offenheit waren schon immer treibende  Kräfte hinter der Musik von The Notwist, doch selten wurde das deutlich  wie auf Vertigo Days. Musikalisch vermittelt diese Offenheit sich im  Amalgam aus melancholischem Pop und funkelnder Elektronik, hypnotischem  Krautrock und schwebenden Balladen. Konzeptuell zeigt sie sich im  Umstand, dass The Notwist ihre Kernbesetzung (bestehend aus den Brüdern  Markus und Micha Acher sowie Cico Beck) für dieses Album um  Gastmusiker*Innen erweitert haben: „Wir wollten das gängige Konzept  einer Band in Frage stellen, aber auch die Idee von nationalen  Identitäten aufweichen“, erklärt Markus Acher. „Darum haben wir auch  anderen Stimmen und Sprachen Raum gegeben.“ Sechs Jahre sind seit dem  letzten Album (Close To The Glass) vergangen. Jahre, welche die  Mitglieder der Band nicht nur ihren anderen Bands gewidmet haben (z.B.  Spirit Fest, Hochzeitskapelle, Alien Ensemble, Joasihno), sondern auch  dem Betreiben eines eigenen Plattenlabels (Alien Transistor), dem  Komponieren mehrerer Filmmusiken sowie dem Kuratieren von Compilations  (zuletzt Minna Miteru) und einem jährlich stattfindenden Festival (Alien  Disko). All das hinterließ auf dem neuen Album Spuren. Es spiegelt sich  vor allem in seiner Struktur, die das Ergebnis eines offenen,  kollektivistischen Prozesses ist: Aus Improvisationen wurden Songs, die  oft ineinandergreifen. Entstanden ist eine äußerst lebendige Musik,  deren cinematische Qualität sich auch im Artwork der japanischen  Fotografin Lieko Shiga wiederfindet. Die wiedergefundene Offenheit zeigt  sich bereits bei „Ship“, der ersten Single zum Album. Ein treibender,  krautiger Groove dient hier als Fundamant für die entwaffnende Stimme  von Saya, bekannt als weibliche Hälfte des japanischen Pop-Duos  Tenniscoats. Ein weiterer Gast ist der US-amerikanische  Multiinstrumentalist Ben LaMar Gay, der für „Oh Sweet Fire“ auch den  Text schrieb: Ein „Liebesgedicht für heutige Zeiten“, das von Liebenden  in den Wirren eines politischen Protestmarsches erzählt. Dem leicht  spacigen Dream-Pop von „Into The Ice Age“ lieh die Jazzmusikerin Angel  Bat Dawid ihr Klarinettenspiel. Zu „Al Sur“ schließlich steuerte die  argentinische Sängerin und Produzentin Juana Molina Gesang und die  elektronischen Teile des Arrangements bei. Bei diesem Stück tritt  abermals Saya in Erscheinung, diesmal jedoch in ihrer Funktion als Teil  des Bläserensembles Zayaendo. Unterdessen erlauben The Notwist der  Musik, sich in immer neue, oft unerwartete Richtungen zu entwickeln –  wie sie das auch bei Live-Auftritten tun. Die Vielstimmigkeit aus  Ideen, Stilen und Beteiligten wächst auf Vertigo Days zu etwas  tatsächlich Kohärentem zusammen. Aus Diversität formiert sich ein Album  im besten Sinne, eines, das beim Hören im Ganzen noch dazugewinnt. Auch  die Songtexte sind miteinander verwoben: Sie erwecken, wie Markus Acher  sagt, „das Gefühl eines zusammenhängenden Gedichts.“ In diesen  facettenreichen Text haben sich die (geo-)politischen Unwägbarkeiten der  letzten Jahre tief eingeschrieben: „Dass für unmöglich Gehaltenes  jederzeit Realität werden kann, war so ein Thema, das wir eher aus dem  Privaten kannten. Aber während der Aufnahmen zum Album hat sich die  Situation dramatisch verändert. Plötzlich ereigneten sich diese  unmöglich geglaubten Dinge auch außerhalb, in weltpolitischem Maßstab“,  erläutert Markus, der dieser Erfahrung mit den poetischen Mitteln der  Abstraktion begegnet, sie allerdings nicht als Einbahnstraße, sondern  als multidirektionale Bewegung begreift: Globale Zusammenhänge  verlängern sich auf Vertigo Days mitunter zurück ins Private. Alles ist  in der Schwebe, sicher ist nur, dass nichts sicher ist. „Vielleicht geht  es vor allem um einen Lernprozess, und darum, dass man nie wirklich  irgendwo ankommt“, sagt Acher. „Sich dieser Unsicherheit zu stellen,  erfordert Mut – sie erfüllt uns aber zugleich mit einem starken Gefühl  der Lebendigkeit.“ Vertigo Days ist ein Album, das vor Lebendigkeit nur  so strotzt. Open-minded, voller Begeisterung für Musik und für Ideen des  Gemeinschaftlichen. Ein Album, das mit offenen Augen zu träumen wagt.